Von der Spaltung in die Verbundenheit

Lieb Weltbürg .. !

ich möchte Dich heute mal besonders ansprechen – ohne Unterscheidung zwischen Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, politische Einstellung oder Ähnliches. Das ist mir gerade wichtig, denn in den letzten Monaten und Jahren erlebe ich unglaublich viel Spaltung. Ich empfinde unser gesellschaftliches Klima derart feindselig, dass mir die Tränen kommen.

Ich sehe Agrarverbände, die NGO´s zum Feind erklären – und ich sehe NGO´s, die Agrarverbände zum Feind erklären. Ich sehe Umweltaktivisten, die die Wirtschaft begraben möchten, und dasselbe auf der anderen Seite. Ich erlebe „ExpertInnen“, die ihre eigene Meinung für das einzig wahre Gold halten und oft nur damit beschäftigt sind, anderen „ExpertInnen“ ihre Meinung abzuerkennen. Und ich erlebe zutiefst egozentrisch agierende Politik – und eine Zivilgesellschaft, die alle gemeinsamen Errungenschaften scheinbar „an die Nadel“ hängt.

Überall erlebe ich meist nur schwarz oder weiß, links oder rechts, gut oder böse – und fast nirgends ist ein Regenbogen zu erkennen. Doch genau das würde unsere Gesellschaft im Moment benötigen. Einen farbenfrohen Regenbogen. Einen bunten Streifen am Horizont, wo grün neben blau, rot neben schwarz und pink und gelb und alle anderen Farben nebeneinander gemeinsam zum Scheinen kommen.

Doch diese scheinende Welt wird nicht entstehen, wenn wir all die Vielfalt in der Einfalt einzelner Ansichten ersticken. Leute! Wir leben im 21. Jahrhundert. Einem Jahrhundert, wo die Krisen unserer Welt mehr denn je unsere Aufmerksamkeit benötigen. Diese Krisen werden wir aber nicht mit der einen „besseren“ Meinung lösen, sondern mit dem Mehr an Verständnis füreinander. Denn diese Krisen sind mittlerweile so vielschichtig und vernetzt, dass eine einzelne Lösung schlichtweg nicht funktioniert. Wir alle müssen zur Lösung werden. Und genau deshalb braucht es ehrliche, herzliche und ermutigende Worte, die uns wieder einen statt spalten.

Das jedoch wird nur passieren, wenn wir das Ego ein stückweit hinter uns lassen und den bewussten Schritt vom Ich zum Wir wagen. Wir müssen unser altes, egozentrisches Weltbild ablegen und ein neues und verbundenes Weltbild aufbauen. Global Identity heißt das in der Sprache der Wissenschaft. Und dieses Globalbewusstsein hat zwei wesentliche Komponenten. Die erste behandelt die kognitive Ebene und spricht davon, dass wir um die globalen Zusammenhänge wissen müssen, um sich um andere Menschen und deren Wohl sorgen zu können.

Nummer zwei behandelt die emotionale Ebene und spricht vor Allem von den Fähigkeiten Empathie und Mitgefühl. Nur wer ehrliches Mitgefühl und Verständnis für andere Menschen aufbringen kann, wird auch ein tieferes Gefühl der Verbundenheit mit ihnen entwickeln und dementsprechend handeln. Wie dieses Handeln dann aber aussieht, bleibt den Menschen selbst überlassen. Denn auch das ist ein wesentlicher Punkt eines bewussten und verbundenen Weltbildes.

Wenn wir die äußeren Krisen unserer Zeit lösen möchten, müssen wir erst die Inneren lösen. Und die inneren Krisen scheinen derzeit sehr tief zu sein. Deshalb lasst uns endlich mal nach Innen schauen und die Krisen an der Wurzel behandeln. Lasst uns ins Mitgefühl gehen. Lasst uns in Empathie üben. Lasst uns wieder das Verbindende suchen – zu jenen Menschen, die anders denken wie wir, anders fühlen wie wir und anders handeln wie wir. Denn nur diese mitfühlende Haltung wird letztlich dazu führen, gemeinsam einen Weg zu finden, der für unser aller Zukunft als sinnvoll und tragbar erscheint.

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